Mindset

Altersbilder sind mächtiger als du denkst

Im Rahmen meines Universitätsmoduls Active Aging, über das ich euch letztes Mal berichtete, habe ich Mag. Christina Ristl kennengelernt. Sie ist Psychologin und Altersforscherin an der Universität Wien und ihr Vortrag über „Altersbilder – Wie allein unsere Vorstellung vom Alter zu Realität wird“ - hat mich enorm begeistert. Nicht zuletzt deshalb, weil sie wissenschaftlich weiter untermauert hat, was ich in meinem Blogbeitrag „Dein inneres Drehbuch“ schon aus einer anderen Perspektive beschrieben habe.

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich Christina nun für einen Zeitpolster-Podcast gewinnen konnte. In unserem Gespräch schauen wir genauer hin: Woher kommen unsere Altersbilder? Welche Macht haben unsere Erwartungen? Was haben Altersbilder mit unserer Gesundheit zu tun? Wie wirken Vorbilder? Und vor allem: Können wir unser persönliches Bild vom Älterwerden überhaupt verändern?

Christina bringt dazu ihre neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über zwei internationale Studien unter ihrer Leitung mit, die vor kurzem erschienen sind. Sie zeigen: Was wir vom eigenen Älterwerden erwarten, bleibt nicht nur eine Vorstellung. Unsere Erwartungen beeinflussen, wie eine self-fulfilling prophecy, eine selbsterfüllende Prophezeiung, wie wir unser Leben und unsere sozialen Beziehungen später tatsächlich erleben.

Ich lade dich herzlich ein, dir knapp 40 Minuten Zeit dafür zu nehmen. Denn beim Älterwerden sprechen wir sehr viel über Ernährung und Bewegung – beides ur-wichtig! –, aber viel zu wenig über unser Mindset. Dabei hat genau das einen enormen Einfluss darauf, wie sich unser Leben entwickelt.

Take away:

  • Wie wir über unser Alter denken, beeinflusst, wie wir es erleben.
    Denn es beeinflusst, wie wir uns verhalten, wie wir unsere Beziehungen wahrnehmen und auch, wie gesund wir bleiben.

  • Es gibt nicht nur das eine Altersbild – Alter ist Vielfalt!
    Alter ist der vielfältigste Lebensabschnitt überhaupt. Du darfst selbst entscheiden, welches Bild vom Älterwerden du für dich haben möchtest.

  • Und jetzt: Wie willst du mit 80, 90 oder 90 Plus sein?

 

Luriko Yamaguchi auf pexels

 

WIE UNSERE VORSTELLUNGEN VOM ÄLTERWERDEN UNSER LEBEN BEEINFLUSSEN

Ja, wie stellst du dir dein eigenes Alter vor – mit 80, 90 oder 100 Jahren? Gesund und aktiv, umgeben von Menschen? Oder ist es eher mit einem Gefühl von Rückzug, Einschränkungen und Einsamkeit verbunden? In meinen Workshops schaue ich bei dieser Frage oft in erstaunte Gesichter: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“ Dabei haben wir längst sehr klare Bilder vom Alter im Kopf. Ich nenne sie gerne unser inneres Drehbuch.

Und dieses Drehbuch schreiben wir nicht alleine. Unsere Altersbilder entstehen schon früh: durch die Familie, durch Geschichten, Filme und Medien und durch das, was wir bei älteren Menschen ein Leben lang beobachten. Wir lernen, was „alt“ angeblich bedeutet – gebrechlich, einsam, hilfsbedürftig oder erfahren, gelassen und weise und wir haben ein untrügliches und sehr persönliches Gefühl dafür, wie die Waage aus Gewinnen und Verlusten aussieht. Und irgendwann übertragen wir diese Bilder auf uns selbst.

Wir haben aber nicht nur ein Altersbild im Kopf! Je nach Situation und Kontext können ganz unterschiedliche Vorstellungen aktiviert werden. Eine ältere Großmutter sehen wir vielleicht als liebevoll und erfahren, beim Thema Gesundheit fällt uns dagegen womöglich als Erstes Gebrechlichkeit ein.

Und dann gibt es inzwischen die neuen coolen Alten: Marathon laufen, Weltreisen, surfen, arbeiten bis 80+,…. Ich mag diese Bilder durchaus, denn sie zeigen, was im Alter möglich sein kann. Aber ich sehe sie kritisch, wenn daraus ein neues Pflichtprogramm wird. Was ist mit der 80-Jährigen, die keinen Marathon laufen möchte? Mit dem 90-Jährigen, der nicht mehr auf dem Surfbrett stehen kann? Oder mit der Frau, die einfach gerne in ihrem Garten sitzt, Freundinnen trifft und ihr Leben genießt? Auch das ist ein gelungenes Alter.

Christina bringt es im Podcast wunderbar auf den Punkt: Es gibt nicht DEN einen alten Menschen. Das Alter ist die vielfältigste Lebensphase überhaupt. Wir werden im Laufe des Lebens nicht ähnlicher, sondern unterschiedlicher. Ich finde diese Aussage ziemlich befreiend. Wir müssen keinem neuen Ideal entsprechen. Wir dürfen unser eigenes Alter erfinden. Und genau deshalb ist es so wichtig, den eigenen Altersbildern auf die Schliche zu kommen und zu prüfen, ob sie uns genau dorthin führen.

Die Forschung zeigt ganz klare Zusammenhänge zwischen unseren Vorstellungen vom Älterwerden und unserer Gesundheit, unserem Verhalten und unserem sozialen Leben. Eine der aktuellen Studien, über die Christina berichtet, zeigt beispielsweise, dass unsere Erwartungen an unser späteres Sozialleben tatsächlich beeinflussen können, wie aktiv wir später sozial sind. Es ist nicht umgekehrt! Das hat mich besonders nachdenklich gemacht: Denn demnach beginnt Einsamkeit nicht erst dann, wenn wir allein sind. Sondern schon viel früher, in unserer Vorstellung davon, wie unser Leben einmal sein wird. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

WIE KOMMEN WIR ZU UNSEREM BESTMÖGLICHEN ALTERSBILD?

Nachdem wir die starken Einflüsse von Altersbildern kennen, stellt sich natürlich die nächste Frage: Wie sehen denn meine aktuellen Altersbilder aus? Eine berechtigte Frage, denn die meisten davon haben wir im Laufe des Lebens einfach übernommen, unbewusst, ohne sie je zu reflektieren. Aber es gibt Möglichkeiten sie zu überprüfen und wenn sie einem nicht gefallen, kann man neue Bilder entwickeln. Nicht, um dem Alter davonzulaufen. Sondern um es bestmöglich zu gestalten.

Christina meint, es geht insbesondere darum überhaupt über die Macht der Bilder zu wissen und die persönlichen Spielräume zu sehen. Ja, der Körper verändert sich. Ja, möglicherweise kommen Einschränkungen oder Krankheiten. Aber dazwischen liegt eine riesige Vielfalt an Möglichkeiten.

Ich empfehle gerne zwei Übungen - Werde zum Detektiv deiner Glaubenssätze. Hör dir selbst und anderen sehr bewusst zu: Wenn dir einer dieser Altersstereotypen unterkommt wie „Das kann ich in meinem Alter nicht mehr.“ “Ab 70 geht es körperlich bergab.“ „Im Alter wird man einsam.“ Sag dir bewusst ein Stopp und stell dir die Frage: Ist das wirklich zu 100 Prozent wahr? Oder ist es einfach ein Satz, den du irgendwann gelernt hast? Wie könnte es für dich heißen?

Über die zweite Übung haben wir im Inneren Drehbuch schon gesprochen: Setz einen Anker in der Zukunft. Frag dich nicht nur: „Was kann ich in meinem Alter noch schaffen?“, sondern: „Wie möchte ich mein (hohes) Alter erleben?“ Wo bist du? Wer ist bei dir? Was machst du? Wie fühlst du dich? Dieses Bild ist mehr als eine nette Vision. Es ist der Anker, der dich leitet, wenn heute einmal etwas nicht so gut läuft, denn das kann dann ja wohl nur ein Hoppala auf dem Weg sein.

🎧 Hör dir den Podcast an

Dabei sprechen wir nicht nur über Forschung, sondern auch ganz persönlich darüber, wie uns die Beschäftigung mit Altersbilder weitergeholfen hat.

👉 Hier geht es zum Podcast:

 
 

Herzlichst
Helga

Persönliche Erwartungen ans Älterwerden formen unser Sozialleben
Ristl, Christina et.at.:
Studie über 10 Jahre zeigt, Erwartungen ans eigene Altern sind eine "selbsterfüllende Prophezeiung"
Pressemeldung der Universität Wien 17.08.2026

Die 7 Mythen des Alterns
Buch von Jana Nikitin und Christina Ristl
Verlag hogrefe 2026

FÜR ALLE, DIE ZEITPOLSTER NOCH NICHT KENNEN:
Zeitpolster ist ein Sozialunternehmen, das Betreuungsleistungen für ältere Menschen, Kranke oder auch für Familien mit Kindern vermittelt. Es geht um Gesellschaft leisten, Freizeitbegleitung, einkaufen gehen, Hilfe in Haus und Garten u.v.a. Das Besondere an dem Konzept ist aber, dass die Helfenden, die sich für andere Menschen einsetzen, ihre Stunden für später gutgeschrieben bekommen, wenn sie selber Hilfe brauchen. Ich finde diese Idee höchst spannend, denn Netzwerke sind so ein wichtiger Bestandteil, wenn wir älter werden.

Vom Verstand zum Mind – Wie wir im Alter mental stärker werden können

In diesem Posting geht es mir um einen echten Paradigmenwechsel: vom reinen Erhalt unserer mentalen Leistungen im Alter zur echten Entfaltung!

Wir hören überall: „Trainiere dein Gehirn, um den Abbau zu verlangsamen!“ Das klingt wie ein Kampf gegen das Unvermeidliche! Doch was, wenn das Altern nicht nur eine Herausforderung, sondern eine neue Chance für unsere mentale Entwicklung bietet? Statt uns nur auf den Erhalt kognitiver Fähigkeiten zu beschränken, können wir unser Gehirn neu nutzen, unsere Intuition, Weisheit und Kreativität entfalten und geistig weiterwachsen. Es geht nicht darum, weniger zu verlieren – sondern darum, mehr zu gewinnen. Wir sollten uns daher fragen: Wie kann ich mein geistiges Potenzial im Alter wachsen lassen und voll ausschöpfen?

Take away

  • Geistiges Wachstum endet nie – Unser Gehirn kann sich bis ins hohe Alter weiterentwickeln.

  • Vom Wissen zur Weisheit – Intuition, Weitblick und Bewusstsein gewinnen an Bedeutung.

  • Begeisterung ist der Schlüssel – Emotionale Stimulierung fördert geistige Fitness.

  • Meditation schafft Balance – Sie stärkt die rechte Gehirnhälfte und verbessert kognitive Funktionen.

  • Innerer Dialog formt Realität – Ersetze „Ich werde vergesslicher“ durch „Ich werde smarter“!

 

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PARADIGMENWECHSEL: VOM GEISTIGEN ERHALT ZUR GEISTIGEN ENTFALTUNG IM ALTER!

Auf wenig anderes sind wir so stolz wie auf unseren Verstand und unser Wissen! Von klein auf werden wir darauf getrimmt, dass viel Wissen und ein scharfer Verstand die höchsten Güter sind und daher werden wir auch nach unserer Denkleistung und unserem Intellekt beurteilt. In der Schule, während der Ausbildungszeit und das ganze Berufsleben lang ist es darum gegangen Wissen anzusammeln, gute, rationelle Entscheidungen zu treffen oder Expertise zu beweisen. Die Gedanken, die wir uns im Lauf unseres Lebens gemacht haben, prägen heute unsere Persönlichkeit zumindest zu einem großen Teil. Und so ist auch die Angst groß, dass wir Denken, Verstand und Ratio im Alter verlieren könnten.

Ich habe viel zu den Themen geistige Fitness und Mental Self Care im Alter recherchiert und traf dabei auf unzählige deprimierende Statistiken über den Abbau der mentalen Fähigkeiten und über den Vormarsch von Demenzerkrankungen in unserer Gesellschaft. In Deutschland sind derzeit 1,8 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, das sind 8,5 % aller Personen über 65 [2] und diese Zahl soll sich bis 2050 nahezu verdoppeln! Umfragen haben ergeben, dass mehr als jeder zweite (!) Angst hat, im Alter an Demenz zu erkranken, also vor dem Verlust unseres Verstandes! [3] Was für eine deprimierende Ausgangslage!

Weiters findet man auch viele Methoden und Übungen, wie man dem geistigen Abbau begegnen kann. Selbst die EU hat einen EU-Compass for Action on Mental Health and Well-being herausgegeben. Es gibt viele gute Programme und viele Übungen und sie sind mit Sicherheit gut, aber für mich als älteren Menschen war nichts dabei, was mich so richtig begeistert hat. Denn für mich liegt der gesamte Fokus viel zu sehr nur auf dem maximalen Erhalt der kognitiven Leistungen, also darauf, dem Abbau bestmöglich entgegenzuwirken. Dieser einseitige Fokus klingt für mich wie ein Kampf, den man nicht gewinnen kann.

Ich habe dazu ganz andere Gedanken

Was wäre, wenn unsere geistige Entwicklung jetzt nochmal so richtig los geht?
Was wäre, wenn wir im Alter unser Gehirn völlig neu zu benützen lernen?
Was wäre, wenn wir im Alter unsere mentalen Leistungen zu neuen Höhen führen könnten?
Was wäre, wenn wir tatsächlich vom Wissen zur Weisheit wechseln können und damit auch für Junge interessant bleiben?

Für mich ist das sehr real und vor allem alternativlos! Ich möchte definitiv nicht meine Zeit hier in diesem Leben mit Sudoku oder sonstigen Spielen verbringen (auch wenn ich sie ehrlicherweise manchmal selber gerne mache). Der Weg heißt für mich vom Verstand zum Mind und öffnet das Tor zu unseren Weisheitsjahre.

WORIN LIEGT DER UNTERSCHIED ZWISCHEN VERSTAND UND MIND?

Der Begriff MIND kommt aus dem Englischen und ich verwende ihn, weil es dafür im Deutschen keinen gleichwertigen Begriff gibt. Der Unterschied ist kurz zusammengefasst: Während der Verstand sich hauptsächlich auf kognitive und analytische Fähigkeiten konzentriert und mit dem Gehirn (insbesondere dem Frontallappen) assoziiert wird, umfasst der Mind das gesamte Spektrum mentaler Aktivitäten, einschließlich Emotionen, Wahrnehmungen, Intuition und Bewusstsein, spirituelle Erfahrungen und lässt sich nicht ausschließlich auf das Gehirn beschränken. Manchmal verwendet man im Deutschen dafür den Begriff Geist, der aber auch völlig unterschiedlich interpretiert wird. Für mich steht der Geist über dem MIND und umfasst die höheren Ebenen des Bewusstseins. [4]  MIND beinhaltet also viel mehr als der rationale Verstand und man kann ihn trainieren.

UNSERE GEHINRHÄLFTEN – DER MEISTER UND SEIN DIENER

Ian McGilchrist, britischer Psychiater, Neurowissenschaftler und Philosoph, zeigt mit seinen Forschungen, dass die zwei Gehirnhälften zwar dieselben Grundfunktionen erfüllen, aber auf sehr unterschiedliche und komplementäre Weise. [5] Wie wir die Welt interpretieren und erleben, hängt davon ab, ob diese beiden Gehirne im Gleichgewicht arbeiten oder ob eines von ihnen dominant ist. Das wiederum prägt die Welt, in der wir leben. „Die beiden Hemisphären haben jede für sich einen eigenen Stil, eine eigene Sicht auf die Welt, wenn man so will. Sie sehen die Dinge unterschiedlich. Sie setzen unterschiedliche Prioritäten. Sie haben unterschiedliche Werte[6]

 

Rechte Hämisphäre ist links, linke Hämisphäre ist rechts

RSA ANIMATE: The Divided Brain [7]

 
  • Die linke Hemisphäre (die McGilchrist als "Emissary“, als Abgesandter, bezeichnet) ist analytisch, detailorientiert und neigt zu abstraktem, kategorisierendem Denken, bringt fokussierte Aufmerksamkeit zum Detail - begreift Dinge.

  • Die rechte Hemisphäre (die er als „Meister“ bezeichnet) – mit ihrer breiten, wachsamen Aufmerksamkeit stellt die Beziehung zum Umfeld dar. Sie hat einen ganzheitlichen, intuitiven Zugang zur Welt und erfasst Komplexität, Kontext – versteht Zusammenhänge.

In unserer modernen, westlichen Welt dominiert der Fokus auf die linke Hemisphäre – die ich mit dem VERSTAND assoziiere. Unsere ganze Schulbildung und beruflichen Herausforderungen sind dadurch geprägt. Diese Dominanz führt zur fragmentierten, mechanistischen Weltsicht, die das Ziel im Detail und nicht in der Ganzheitlichkeit sucht. McGilchrist argumentiert, dass diese Dominanz der linken Hemisphäre sogar potenziell negative Folgen für unsere Kultur und unser Verständnis der Realität hat und plädiert für eine Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen den Hemisphären, um eine ganzheitlichere und bedeutungsvollere Wahrnehmung der Welt zu ermöglichen – ich assoziiere das mit dem Begriff MIND.

 

RSA ANIMATE: The Divided Brain

 

“The intuitive mind is a sacred gift.
The rational mind is a faithful servant.
We have created a society that honors the servant
but has forgotten the gift.”
— Albert Einstein

WIE KOMMEN WIR VOM VERSTAND ZUM MIND?

Hier spielt die Meditationspraxis wieder einmal eine entscheidende Rolle. Viele meditative Praktiken fördern die rechte Hemisphäre. Bestimmte Bereiche werden vergrößert und aktiver als sie es sonst wären, wie man mit EEG gut nachweisen kann. Vor allem aber führt sie zu einer Balance der Gehirnhälften, also die Integration von kreativem, analogem Denken zu analytischem Denken. Meditation kann zur Verbesserung der kognitiven Funktionen beitragen, indem sie die Dichte der grauen Substanz im Gehirn erhöht. Die graue Substanz ist für die Verarbeitung von Informationen, das Gedächtnis und die Entscheidungsfindung verantwortlich.

Für mich sind die folgenden drei Punkte die wichtigsten Zutaten für die Entwicklung zum Mind.

Begeisterung – Wie ich schon in einem eigenen Post beschrieben habe, ist nach Gerald Hüther (Neurowissenschaftler) die Begeisterung der Dünger für das Gehirn. Unser Gehirn ist lebenslang lernfähig, es ändert sich durch Umbauprozesse permanent bis ins hohe Alter. Allerdings ist das Gehirn weder eine Maschine, noch kann man es wie einen Muskel trainieren, sondern es braucht eine emotionale Stimulierung. Begeisterung sendet jene Botenstoffe aus, die die Umbauprozesse anstoßen damit neue Netzwerke aufbaut werden. Wenn diese Voraussetzung – also Begeisterung – nicht zustande kommt, passiert auch nichts im Gehirn! Menschen, die lustlos in eingefahrenen Verhaltensmustern leben, schaffen keine Regeneration und keinen Wiederaufbau. Schon aus diesem Grund können wir uns doch nicht damit zufriedengeben, unsere mentalen Leistungen im Alter bestenfalls zu erhalten!

Meditation und Achtsamkeit – ich habe schon so oft über Meditation gesprochen, aber bitte erlaubt mir, dass ich es einfach immer und immer wieder sage: Es ist die Meditationspraxis, die den Monkey Mind [8] zur Ruhe bringt, die die rechte Gehirnhälfte stimuliert und dir, und uns allen, spirituelle und intuitive Erfahrungen ermöglicht. Das ist es, was wir speziell auch im Alter dazulernen können, wenn wir uns vom Verstand zum Mind entwickeln wollen.

Genau das hat auch das EU Forschungsprojekt Silver Santé Study [9] gezeigt: regelmäßig meditierende Personen über 65 haben deutlich bessere kognitiven Leistungen als nicht Meditierende. Insbesondere die Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und der emotionale Zustand sind viel besser. Diese Forschungsergebnisse zeigen auch, dass durch regelmäßige Meditation das Demenzrisiko verringert werden kann!

Neues suchen und ein positiver innerer Dialog – Im eigenen Meer der Glaubenssätze zu verharren, macht alt. Alterslos sind wir nur, wenn wir immer wieder aus dem Konstrukt unserer Glaubenssätze ausbrechen. Also wenn wir uns dazu bereit erklären, die Welt auch einmal ganz anders zu sehen und zu erleben - auch oder besonders dann, wenn es sich ungewöhnlich anmutet.

Wenn du dein Gehirn optimal nützen möchtest, darf es nicht mit negativen Gedanken oder einschränkenden Glaubenssätzen zugemüllt sein, denn dann dreht es sich nur mehr um sich selbst. Beobachte dich einmal beim Denken: Wie schätzt du die Qualität deiner Gedanken ein, das sind übrigens 60.000 bis 80.000 pro Tag! Sind sie überwiegend neutral, negativ oder positiv? Welche Grundstimmung erzeugen sie, eine eher optimistische, lösen sie Freude, Zuversicht, Vertrauen aus oder sind sie eher pessimistisch? Welche Gedanken gehen im Kreis, ohne dass du einen Ausweg findest? Beziehen sich deine Gedanken überwiegend auf die Vergangenheit, die Zukunft oder das Jetzt? Erhöhen sie deine Energie oder ziehen sie dich runter?

Hier die Statistik: 95% aller unserer Gedanken sind repetitiv und bringen nichts Neues! Im Normalfall überwiegen die neutralen Gedanken, gefolgt von negativen Gedanken. Positive Gedanken sind der geringste Anteil, wenn man sich nicht bewusst darauf fokussiert.[10] Erstaunlicherweise fällt uns das nicht immer leicht, und nicht selten hat daher der Innere Dialog eine negative oder kritische Note.

Tipp: Wenn du deinem Inneren Dialog auf die Schliche kommen willst, dann sprich eine Zeitlang immer wieder deine Gedanken aus! Das kann ganz leise sein, aber hör dir dabei zu. Du wirst merken, dass das gar nicht so einfach ist. Denn dein Innerer Dialog ist oft so viel schneller und unterschwellig. In jedem Fall wirst du ein Gefühl für deinen Gedankenstrom bekommen und manchmal kannst du gleich mit einer Gegenfrage, einem positiven Statement oder Affirmation dagegen anreden.

Grundvoraussetzung für unser Wohlbefinden und unseren mentalen Aufbruch sind ein unterstützender und freundlicher innere Dialog. Daher hat der Gedanke Ich werde immer vergesslicher keinen Platz mehr in deinem Kopf und du solltest ihn schleunigst durch Ich werde immer smarter ersetzen! 😊

Es ist zugegebener Weise nicht ganz leicht, aus einer Gedankenroutine auszubrechen. Es gehört viel Achtsamkeit dazu und man muss sich immer und immer wieder an der Nase nehmen, dem Gedankenkarussell ein STOP verordnen und die Aufmerksamkeit in die Richtung lenken, die einen mit Freude erfüllt. Aber es lohnt sich allemal!

AUFBRUCH IN UNSERE WEISHEITSJAHRE

Mit diesem Paradigmenwechsel beginnt der Aufbruch in unsere Weisheitsjahre. Wenn wir uns in den Weisheitsjahren vom Verstand zum MIND entwickeln, erweitert sich unsere Sichtweise automatisch und wir nützen viel mehr Bereiche unseres Gehirns. Wir können also im Alter ganz bewusst jene Fähigkeiten ausbauen, die zu Intuition, Weitsicht und gelassener Reflexion etc. führen, alles Fähigkeiten, die auch unsere Gesellschaft dringend braucht. Zusätzlich bringt uns das Alter – bewusst erlebt - neue positive Erlebnisse und Erkenntnisse, die man davor noch nicht kannte und die auch nur im Alter erlebbar sind.

Das bezeichne ich als den Weg vom Verstand zum Mind – vom Wissen zur Weisheit. Vielleicht ist das auch ein Ansatz, der dich begeistern könnte?

As we begin to navigate the wisdom years,
we begin to move out of the sphere of achievement and ambition
into the sphere of enjoyment and appreciation
and opening to the wonder of it all.
- Joseph Campbell

Herzlichst
Helga

[1] Mercedes Benz Left Brain Right Brain print ads  

[2] DZNE Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V.Fakten zu Demenz Stand 2024

[3] DAK Gesundheit: Deutsche haben immer mehr Angst vor Krankheiten 2024

[4]  Der Begriff Geist wird je nach Wissenschaft sehr unterschiedlich definiert: in der Medizin und Neurowissenschaften als Produkt der Gehirnfunktionen, in der Psychiatrie und Psychotherapie als Gesamtheit der psychischen Funktionen, in der Psychologie als Summe aller mentalen Prozesse und Verhaltensweisen und in der Theologie und der Energetik wird der Geist in einem spirituellen, transzendenten Kontext verstanden als göttlicher Geist, Seele, Teil einer höheren Ordnung der Realität, der über das Physische hinausgeht. In der Philosophie werden verschiedene Positionen diskutiert, vom Dualismus (Geist und Materie als getrennte Substanzen) bis zum Materialismus (Geist als Produkt physischer Prozesse) – Wenn man von Körper – Seele – Geist spricht, versteht also jeder etwas anderes darunter!

[5] Ian McGilchrist: The Master and his Emissary (2009), The Matter with Things (2021)

[6] CBC/Radio Canada: Neuroscientist argues the left side of our brains have taken over our minds  2021

[7]  RSA ANIMATE: The Divided Brain 2011

[8] Von einem Monkey Mind spricht man, wenn einen Sorgen, Gedanken, Befürchtungen, Grübeleien, Ängste, Aufgaben plagen und diese unkontrolliert durch den Kopf rasen, Er symbolisiert eine Horde von Affen, die wild herumhüpfen, sich von Ast zu Ast schwingen, kreischen und für unangenehme Unruhe sorgen.

[9] Medit-Ageing / Silver Santé Study - Investigating the impact of meditation training on mental health and wellbeing in the ageing population. Eine französische Studie unter der Leitung von Dr. Gael Chetelat - koordiniert vom französischen INSERM

[10] Lynn McTaggart – Power of 8 Masterclass 2021