Ein etwas anderer Jahresrückblick

Ich schreibe seit 30 Jahren Jahresrückblicke für meine Familie und habe dabei die Erfahrung gemacht, dass es auch in schwierigen Jahren immer etwas Positives gab, auf das es sich lohnt zurückzublicken.

Auch, oder vielleicht gerade weil 2021 für viele ein nicht so entspanntes Jahr war, scheint mir ein Rückblick gut, um das Positive in den Vordergrund zu rücken.  Denn nach schwierigen Zeiten oder auch nach einschneidenden Erlebnissen „scheint immer wieder die Sonne“. Es kommen neue und gute Phasen, oft in einer Form, mit der man nicht gerechnet hat. 

In diesem Post möchte ich Euch über meine Erfahrungen mit Rückblicken berichten, meine persönliche Einsichten zeigen, die ich 2021 gewonnen habe, sowie einige Fragen auflisten, die helfen können einen etwas anderen Blick auf das abgelaufene Jahr zu werfen.

Take away

  • Egal wie schwierig eine Phase ist, rückblickend gibt es immer etwas Positives.

  • 15 Fragen, die Dir helfen können einen etwas anderen Blick auf das vergangene Jahr zu legen, abseits von Themen wie Impfen, Lockdowns, Politchaos, Klimadiskussionen u.a.

 

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

 

IM RÜCKBLICK LIEGT DIE KRAFT FÜR NEUES

Meine Jahresrückblicke enthalten alle für mich wichtigen und bewegenden Situationen, sowie Fotos meiner Familie. Was ursprünglich als Weihnachtsbrief für Freunde angefangen hat (das war so üblich, als wir jung waren), entwickelte sich über die Jahre zu einer richtigen Familienchronik. Meistens sind es die stillen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, die ich dafür nütze um den Kalender durchzugehen, Fotos zu sortieren und meinen Mann und meinen Sohn nach ihren High- und Lowlights zu befragen. All das fasse ich in drei bis vier Seiten zusammen. Diese Bestandsaufnahme ist für mich bereichernd, denn sie bringt so vieles zum Vorschein, was vielleicht untergehen würde, setzt einen Strich unter Dinge, die man abschließen möchte und zeigt, wie viel Schönes wir erleben und wie reichhaltig das Jahr doch war - selbst in Jahren, die auf den ersten Blick „beschissen“ waren.

Über die Jahrzehnte sieht man auch den roten Faden der persönlichen Entwicklung, der sich durchs ganze Leben zieht. Oft sind es die ungewollten, schwierigen Abzweigungen, die wichtig waren und man erkennt darin die eigenen Potenziale und Strategien, damit umzugehen. Aber vor allem tut es einfach gut, sich die kleinen und großen Momente nochmals in Erinnerung zu rufen. Dieser Abschluss ist gleichzeitig ein schöner Start in das neue Jahr: Vergangenes bewusst machen und sich auf das Neue freuen!

WAS ICH AUS 2021 MITNEHME

Als wir gemeinsam mit Freunden zu Silvester in den Wiener Weinbergen den Sekt öffneten, um auf das Neue Jahr anzustoßen, hatten wir die vage Hoffnung und den Wunsch, dass sich das allgemeine Corona-Chaos legen würde. Wir wussten nicht, dass der Nebel, der uns damals die Sicht auf Wien verdeckte, metaphorisch ankündigte, dass das nicht so schnell gehen würde.

Trotz der vielen Corona-Regeln und Einschränkungen im Laufe des Jahres, die spontane Aktivitäten ziemlich schwer gemacht haben, komme ich auf eine ganze Menge von Erlebnissen, die heuer neu und schön waren. Ich habe z.B. begonnen diesen Blog zu schreiben, konnte auf einem Biobauernhof mitarbeiten und dort Neues erleben, habe wunderbare neue Menschen getroffen und herrliche Tage mit meiner Familie verbracht . Doch auch wenn wir als Pensionisten sicherlich viel weniger Probleme mit den Corona-Vorgaben hatten, sind die allgemeine Unzufriedenheit, die Impfdebatten und die permanenten negativen Medienberichte nicht spurlos an uns vorübergegangen.

In schwierigen Zeiten greife ich unter anderem gerne auf die Weisheiten von Viktor Frankl zurück[i].  Heuer ging es mir ganz besonders um den Einstellungswert:

 Wenn uns keine äußere Freiheit bleibt und
wir keinen Einfluss auf das äußere Geschehen haben,
bleibt uns immer noch die innere Freiheit damit umzugehen.

Die Art, wie man auf Geschehnisse reagiert
liegt immer bei einem selber.

 Dazu gehören zwei Schritte:

  • einerseits die Akzeptanz, also anzunehmen was ist (Achtung: es geht nicht um Resignation oder schön reden)

  • und andererseits sich folgende Frage zu stellen: “Wozu fordert mich diese Situation jetzt auf?”

In diesem Jahr hatten wir viel Gelegenheit, genau das zu üben. So vieles in unserem Umfeld können wir derzeit nicht ändern! Ich habe in diesem Jahr daher gelernt, mich aus all den hitzigen Debatten zurückzuziehen, nicht weil ich feige bin oder nicht zu meiner Meinung stehe, sondern weil es reine Energievernichtung ist. Statt dessen war mein Ziel, meine innere Ruhe, Kraft und Energie immer möglichst hoch zu halten und damit auf diese Weise meinen positiven Beitrag in diesen gesellschaftlich turbulenten Zeiten zu leisten.

Für uns war das Jahr 2021 auch durch den Abschied von Roberts Mutter geprägt, die mit 99 Jahren gestorben ist. Den Sterbeprozess so unmittelbar mitzuerleben, hat uns auch nachdenklich gemacht. Immer mehr frage ich mich, warum wir diesen Teil des Lebens gesellschaftlich so ausblenden. Warum gibt es keinen Sterbe-Vorbereitungskurs, so wie es einen Geburts-Vorbereitungskurs gibt? Alles lernen wir, nur das nicht! Vielleicht ist das auch ein Grund, warum uns Corona so sehr zusetzt! Ich habe mich heuer jedenfalls intensiv damit auseinandergesetzt und wenn ich so weit bin, werde ich Euch mein Erkenntnisse in diesem Blog zusammenfassen, denn es gehört für mich zum „Job im Alter“.

15 FRAGEN, DIE ICH MIR DIESES JAHR STELLE

Während in den letzten Jahren mein Jahresrückblick überwiegend auf Erlebnisse, Erreichtes und Veränderungen ausgerichtet war, will ich mich diesmal auch mehr mit den inneren Aspekten befassen und mir dazu die folgenden 15 Fragen stellen. Vielleicht inspirieren sie auch Dich, Dein Jahr aus neuen Blickwinkeln zu reflektieren.

  1. Welche 5 Worte beschreiben für mich dieses Jahr am besten?

  2. Was waren die wichtigsten Augenblicke oder Situationen in diesem Jahr für mich?

  3. Was war in diesem Jahr meine Lieblingsbeschäftigung und hatte ich genug Zeit dafür?

  4. Was ist mir gut gelungen und worauf bin ich stolz?

  5. Was kann ich heute, was ich letztes Jahr noch nicht konnte?

  6. Was habe ich für meine Gesundheit auf allen 4 Ebenen gemacht: körperlich, emotional, mental und spirituell?

  7. Wie viel Liebe habe ich gegeben und wie viel Liebe habe ich erhalten?

  8. Wer waren in diesem Jahr die wichtigsten Menschen für mich?

  9. Was hat mir richtigen Spaß gemacht?

  10. Habe ich Neues ausprobiert?

  11. Habe ich aufgeräumt und losgelassen; sowohl im eigentlichen, als auch im übertragenen Sinn?

  12. Was waren meine größten Herausforderungen?

  13. Welche meiner Ängste haben sich als falsch herausgestellt?

  14. Was waren die interessantesten Fortbildungen, Bücher, Filme, Aufführungen und Begegnungen und was habe ich daraus mitgenommen?

  15. Wofür bin ich dankbar?

Ich glaube, dass wir mit diesen Fragen und ihren Antworten Einblicke gewinnen, die abseits des normalen Alltags tieferen Sinn erkennen lassen und genau das ist das Entscheidende.  

Diesen Blog zu schreiben wurde eines der Highlights dieses Jahres für mich. Und ich möchte mich bei Euch allen sehr herzlich fürs Lesen und speziell auch für eure Rückmeldungen auf den unterschiedlichen Kanälen bedanken.

Ich wünsche Euch, dass Ihr bei Eurem Rückblick auf das vergangene Jahr die schönen Seiten erkennt und viel Kraft und Freude für das kommende Jahr mitnehmt.

Herzlichst
Helga

[i] Daniela Philipp: SinnPulse 02 – Sinn und Krise. Ermutigende Impulse für eine gelingende Zukunft trotz Krise; Live relations 2020